Der Wohnungsmarkt in Deutschland steht unter starkem Druck. Eine neue Studie zeigt, dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum junge Menschen, Rentner und den Arbeitsmarkt gleichzeitig trifft. Die Analyse verweist auf wachsende Defizite, regionale Unterschiede und erste Gegenmaßnahmen im Norden des Landes. Vergleichbare Entwicklungen sind auch auf lokaler Ebene sichtbar, etwa beim Wohnungsmangel in Heide.
Inhaltsverzeichnis
- Deutschland und 1,4 millionen fehlende wohnungen
- Schleswig-Holstein und steigende wohnkosten
- Senioren und erzwungene umzüge
- Studierende und universitätsstädte
- Alleinerziehende und menschen mit behinderungen
- Regelstandard erleichtertes bauen
Deutschland und 1,4 millionen fehlende wohnungen
Bundesweit fehlen aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen. Diese Zahl nennt das Bündnis „Soziales Wohnen“. Zu ihm gehören der Deutscher Mieterbund, die Industriegewerkschaft Bau, die Caritas-Behindertenhilfe sowie zwei Akteure der Bauwirtschaft. Die Studie wurde vom Pestel-Institut erstellt. Um das Defizit bis 2030 abzubauen, wären jährlich über 400.000 neue Wohnungen notwendig. Laut Studienleiter Matthias Günther ist jedoch nur etwa die Hälfte realistisch.
Zusätzlich geht die Untersuchung von rund einer Million Wohnungslosen in Deutschland aus. Mehr als 11 Prozent aller Wohnungen gelten als überbelegt. Gleichzeitig haben über 11 Millionen Mieter Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein, während nur noch etwa eine Million Sozialwohnungen existieren. Das Bündnis nennt daher zwei Millionen Sozialwohnungen bis 2035 als Zielmarke. Welche Folgen Wohnungsengpässe für Mobilität und Lebensentscheidungen haben, zeigt auch der Blick vom Leben in der Großstadt aufs Land.
Schleswig-Holstein und steigende wohnkosten
Auch regional zeigen sich deutliche Engpässe. In Schleswig-Holstein fehlen nach aktuellen Berechnungen 46.000 Sozialwohnungen. Der Anteil der Wohnkosten am Einkommen liegt dort bei 34,5 Prozent. Damit übersteigt er leicht den Bundesdurchschnitt.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur Großstädte. Sie prägt auch kleinere Regionen und erschwert langfristige Planungen für Haushalte mit mittleren und niedrigen Einkommen.
Senioren und erzwungene umzüge
„Die steigenden Wohnkosten werden vor allem für ältere Menschen zur existenziellen Bedrohung“, sagt Melanie Weber-Moritz vom Mieterbund. Steigende Mieten treffen auf niedrige Renten. Viele Betroffene können ihre Wohnungen nach dem Berufsleben nicht mehr halten.
„In den Ballungszentren und auf angespannten Wohnungsmärkten führt das dazu, dass Leute umziehen müssen, weil sie sich das Wohnen in den Städten nicht mehr leisten können“, erklärt sie weiter.
Matthias Günther spricht in diesem Zusammenhang von „erzwungenen Umzügen durch Altersarmut“. Der Staat müsse dadurch höhere Leistungen für die Wohnkosten übernehmen. Besonders betroffen sind Städte wie München, Berlin und Hamburg sowie deren Metropolregionen.
Studierende und universitätsstädte
Der Druck reicht bis in die Hochschulstandorte. In den Universitätsstädten Kiel, Lübeck und Flensburg ist die Lage besonders angespannt. Studierende müssen laut Studie durchschnittlich 53 Prozent ihres monatlich verfügbaren Geldes für das Wohnen aufbringen. Diese Quote gilt als eine der höchsten Belastungen innerhalb der Haushaltsausgaben.
Robert Feiger, Vorsitzender der IG Bau, bezeichnet den Mangel an Wohnraum für Auszubildende und Studierende als Thema von herausragender Bedeutung. Wenn junge Menschen wegen fehlender Wohnungen ihre Heimat nicht verlassen können, leidet auch der dringend benötigte Fachkräftenachwuchs, wie auch bei neuen Wegen in den Arbeitsmarkt deutlich wird.
Alleinerziehende und menschen mit behinderungen
Der „Soziale Wohn-Monitor“ weist zudem auf eine Ausgrenzung von Alleinerziehenden und Menschen mit Behinderungen hin. In Deutschland leben rund 10 Millionen Menschen mit Behinderungen. Die Studie empfiehlt, 10 Prozent aller neu gebauten Sozialwohnungen barrierefrei für diese Gruppe vorzusehen.
„Tatsächlich ist nicht Migration, sondern die Wohnungsnot das Hauptproblem unserer Gesellschaft“, sagt Janina Bessenich von der Caritas. Der angespannte Markt bremse auch den Zuzug von Fachkräften aus dem In- und Ausland.
Regelstandard erleichtertes bauen
Aus Schleswig-Holstein kommen zugleich positive Signale. Der von der Kieler Landesregierung eingeführte „Regelstandard erleichtertes Bauen“ senkt die Baukosten deutlich. Laut Studie liegen die Herstellungskosten nun bei 3650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
Magdalena Finke erklärt dazu „Es freut mich sehr, dass dieser schleswig-holsteinische Weg von den Verantwortlichen der Studie als Leuchtturmprojekt eingestuft worden ist“. Trotz des Erfolgs sehe man weiterhin hohen Bedarf und suche nach zusätzlichen Wegen, um den Wohnungsbau auszuweiten.
Die Studie macht deutlich, dass ohne einen schnellen und umfangreichen Ausbau des Wohnungsangebots soziale Ungleichgewichte weiter zunehmen und wirtschaftliche Entwicklungen gebremst werden.
Quelle: NDR, WEBRIVAIG
FAQ
Wie groß ist der Wohnungsmangel in Deutschland aktuell?
Nach Angaben des Bündnisses „Soziales Wohnen“ fehlen bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen.
Wie viele neue Wohnungen wären jährlich notwendig?
Um das Wohnungsdefizit bis 2030 abzubauen, müssten jährlich mehr als 400.000 Wohnungen neu gebaut werden.
Wer ist besonders stark von der Wohnungsnot betroffen?
Vor allem junge Menschen, Studierende, Rentner, Alleinerziehende sowie Menschen mit Behinderungen sind besonders betroffen.
Wie hoch ist der Anteil der Wohnkosten am Einkommen in Schleswig-Holstein?
Der durchschnittliche Anteil der Wohnkosten am Einkommen beträgt in Schleswig-Holstein 34,5 Prozent.
Wie viele Menschen gelten laut Studie als wohnungslos?
Die Studie geht von rund einer Million wohnungsloser Menschen in Deutschland aus.
Was bewirkt der Regelstandard erleichtertes Bauen?
Der Regelstandard erleichtertes Bauen senkt die Herstellungskosten auf etwa 3650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und ermöglicht wieder bezahlbareres Bauen.