In vielen Städten Schleswig-Holsteins wird es zunehmend schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Besonders stark betroffen ist Heide im Kreis Dithmarschen. Die Angebotsmieten in der Stadt sind in den letzten zehn Jahren um fast 80 Prozent gestiegen. Das zeigen aktuelle Daten von Value Marktdaten, die vom NDR Datenteam ausgewertet wurden.
Inhaltsverzeichnis:
- Kamel Yusef und die Wohnungssuche in Heide
- Steigende Baukosten und fehlende Flächen
- Zuzug aus Großstädten und gestiegene Nachfrage
- Heide im Landesvergleich
Kamel Yusef und die Wohnungssuche in Heide
Seit über einem Jahr sucht Kamel Yusef in Heide nach einer passenden Wohnung. Mit Hilfe eines Maklers hat er nun ein Angebot gefunden: 84 Quadratmeter, 700 Euro warm, also etwa 8,33 Euro pro Quadratmeter. Das liegt deutlich unter dem derzeitigen Durchschnitt von fast zehn Euro Kaltmiete. Dennoch liegt die gewünschte Miete über seinem ursprünglichen Budget.
Auch der Makler Patrick Wiekhorst bestätigt, dass viele Menschen ähnliche Schwierigkeiten haben. Besonders Familien mit kleinen Kindern stünden unter Druck. Die Situation in Heide spiegelt die Entwicklung vieler norddeutscher Gemeinden wider. Die stärksten Anstiege bei den Mieten gab es nicht nur in Großstädten wie Hamburg oder Kiel, sondern auch in ländlichen Regionen und kleineren Städten. 2015 lag der Quadratmeterpreis in Heide noch bei 5,60 Euro, heute bei 9,80 Euro.
In der gesamten Region Dithmarschen sind die Mieten abseits der Küste um mehr als 60 Prozent gestiegen. Ähnliche Tendenzen lassen sich auch in anderen Teilen des Landes beobachten, etwa beim Wohnungs- und Verkehrsproblem in Schleswig-Holstein.
Steigende Baukosten und fehlende Flächen
Ein wesentlicher Faktor für die Mietsteigerungen sind die Baukosten. Thomas Bultjer von der Industrie- und Handelskammer Dithmarschen erklärt: „Für die Bezahlbarkeit im Neubau sind die Baukosten ganz entscheidend“.
Diese Kosten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Grundstücke sind teurer geworden, ebenso die Nebenkosten.
Makler Wiekhorst bestätigt die Aussage. Er weist darauf hin, dass Bauprojekte in Heide immer schwieriger zu realisieren seien. Sowohl Materialpreise als auch bürokratische Auflagen trieben die Gesamtkosten in die Höhe. Bultjer und Wiekhorst hoffen auf einfachere Bauvorgaben im Land. In Hamburg werden derzeit vereinfachte Standards erprobt, die auch für Schleswig-Holstein von Bedeutung sein könnten.
Ein Beispiel für geplante Bauprojekte in der Region ist der Neubau der Psychiatrie in Heide, der zeigt, wie zeit- und kostenintensiv selbst öffentliche Bauvorhaben geworden sind.
Zuzug aus Großstädten und gestiegene Nachfrage
Neben steigenden Kosten spielt auch die wachsende Nachfrage eine große Rolle. Viele Menschen ziehen aus Großstädten in ruhigere Gegenden wie Dithmarschen. Heide erlebt durch den Zuzug aus Ballungsräumen einen spürbaren Anstieg der Nachfrage nach Wohnraum. Laut Wiekhorst kommen immer mehr Interessenten aus Hamburg oder Kiel.
Ein zusätzlicher Faktor ist die geplante Batteriezellenproduktion von Northvolt, die in der Region großes Interesse weckt. Diese Entwicklung erinnert an ähnliche Industrieprojekte wie den Bau der Batteriefabrik von Lyten in Heide. Beide Vorhaben haben den Druck auf den Wohnungsmarkt weiter erhöht, insbesondere bei möblierten Wohnungen und Kurzzeitvermietungen.
Heide im Landesvergleich
Die Mieten in Heide sind stärker gestiegen als in vielen anderen Städten des Landes. Der Quadratmeterpreis hat sich seit 2015 um 4,33 Euro erhöht – fast genauso viel wie in Hamburg, wo der Anstieg 4,35 Euro beträgt. Prozentual ergibt das in Heide fast 80 Prozent, in Hamburg rund 40 Prozent.
Eine Wohnung in Heide ist inzwischen teurer als in Flensburg. 2015 gehörte die Stadt noch zu den günstigsten im Land. Jetzt sind rund 30 Prozent der Gemeinden in Schleswig-Holstein billiger. Trotzdem bleibt Dithmarschen im landesweiten Vergleich weiterhin eine Region mit moderaten Mietpreisen. Besonders im nördlichen Teil des Kreises liegen die Preise noch unter dem Niveau größerer Städte.
Trotz des deutlichen Anstiegs gilt Dithmarschen im Landesmaßstab als vergleichsweise erschwinglich. Die Lage bleibt jedoch angespannt, vor allem für Familien und Berufspendler, die zunehmend weite Wege zur Arbeit in Kauf nehmen müssen.
Die Situation in Heide zeigt exemplarisch, wie stark ländliche Räume unter Druck geraten können, wenn Nachfrage und Baukosten gleichzeitig steigen. Ohne politische und wirtschaftliche Gegenmaßnahmen könnte sich die Wohnungssituation in Schleswig-Holstein weiter zuspitzen.
Quelle: NDR