Neue Radwege geplant, Umsetzung stockt
Neue Radwege geplant, Umsetzung stockt, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Schleswig-Holsteins Mittelstädte verändern ihre Verkehrsplanung. Der Radverkehr gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig bremsen knappe Ressourcen die Umsetzung. Personal, Geld und Platz fehlen vielerorts. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Schleswig-Holstein empfiehlt Geduld und eine enge Abstimmung mit der Bevölkerung. Erfahrungen aus dem Alltag, etwa bei Fahrradkontrollen in Heide, zeigen, wie groß der Handlungsbedarf ist.

Inhaltsverzeichnis

Im Fokus stehen mehrere Punkte

Ausbau sicherer Velorouten.

Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern.

Finanzierung über Landesprogramme.

Karsten Hartmann und Heide

Karsten Hartmann stoppt an der Kreuzung Norderstraße und Harmoniestraße in Heide. Die Schilder zur geplanten Veloroute durch Heide-West sind verschwunden. Velorouten sollen dort erstmals entstehen. Sie gelten als durchgängige, möglichst autoarme, sichere und ausgeschilderte Wege für den Radverkehr. Hartmann arbeitet als Mobilitätsmanager. Er verbindet Verwaltung und Bevölkerung.

Der Baustart der ersten Veloroute in Heide verschiebt sich auf das kommende Jahr. Ursprünglich war Oktober geplant. Die beauftragte Firma hat keine freien Kapazitäten. Nach einem Telefonat erklärt Hartmann: „Wir wollten uns nicht die Blöße geben, die Bevölkerung mit falschen Daten zu informieren.“ Der Rückschlag ist sichtbar.

Mittelstädte in Schleswig-Holstein

Die Entwicklung in Heide steht exemplarisch. Mittelstädte bis 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner öffnen sich dem Radverkehr. In vielen Kommunen existieren Mobilitäts- oder Radverkehrskonzepte. In Heide und Pinneberg werden sie aktuell ausgearbeitet. Der Wandel betrifft fast alle Regionen des Landes.

Rendsburg bindet umliegende Gemeinden aktiv ein. Radverkehr endet nicht an Stadtgrenzen. In Itzehoe verbindet eine Veloroute auf der ehemaligen Bahntrasse Wrist-Itzehoe das Umland mit der Innenstadt. Ahrensburg verfügt über 8 Velorouten. Pinneberg kommt auf 6. Diese Zahlen zeigen klare Unterschiede.

Geesthacht und konkrete Maßnahmen

Geesthacht setzt auf neue Fahrradstraßen. Dazu zählen Abschnitte an der Trift, Schutzstreifen in der Rathausstraße und Tesperhuder Straße sowie umgebaute Verkehrsknotenpunkte. Kreisverkehre ersetzen klassische Kreuzungen. Der ADFC Schleswig-Holstein hebt den Austausch mit der Bevölkerung hervor. Ergänzend entstehen Angebote wie eine neue E-Bike-Ladestation, die den Radverkehr im Alltag erleichtern sollen.

In mehreren Städten entstehen sicherere Schulwege. Wedel baut Abstellanlagen am Schulauer Hafen. Dort gibt es Fahrradboxen und Reparaturstationen. Ergänzend kommen Leihfahrräder hinzu. Die Sprottenflotte ist in Eckernförde und Rendsburg verfügbar. Die Angebote wachsen, die Anforderungen ebenfalls.

Elmshorn Hamburg und Förderprobleme

Strukturelle Hürden bremsen viele Projekte. Personal fehlt in Verwaltungen und Tiefbauämtern. Die Haushaltslage bleibt angespannt. In Wedel bleiben selbst 90-Prozent-Förderungen ungenutzt. Die restlichen 10 Prozent überfordern den Haushalt. In Henstedt-Ulzburg gelten Radprojekte als freiwillige Leistungen.

Der geplante Radschnellweg zwischen Elmshorn und Hamburg steht nach rund 10 Jahren Planung auf der Kippe. Auf einem Abschnitt lässt sich die vorgeschriebene Breite von 4 Metern nicht einhalten. Damit würden 75 Prozent der Landesförderung entfallen. Der Kreis Pinneberg kann die Lücke nicht schließen. Mittelstädte entlang der Strecke sind betroffen. Welche Potenziale dennoch im Radverkehr liegen, zeigt mehr hier.

Der ADFC-Fahrradklima-Test zeigt die Folgen. Keine Kommune erreicht eine bessere Note als befriedigend. Viele liegen bei ausreichend. Radfahrende fühlen sich unsicher. Es fehlen durchgehende Netze. Baustellen berücksichtigen den Radverkehr zu selten. Oberflächen sind oft sanierungsbedürftig.

Jan Voß, Landesgeschäftsführer des ADFC Schleswig-Holstein, betont die Bedeutung der Umsetzung. Gute Konzepte reichten nicht aus. Entscheidend sei, „dass man sich den Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern stellt.“ Tempo-30-Zonen, Fahrbahnverengungen und klar markierte Fahrradstraßen gelten als praktikable Lösungen. Das E-Bike verändert zusätzlich die Anforderungen. Menschen fahren schneller und weiter. Die Infrastruktur muss Schritt halten, damit alle Altersgruppen sicher unterwegs sind.

FAQ

Was sind Velorouten?

Velorouten sind durchgängige, möglichst autoarme und sichere Wege, die speziell für den Radverkehr geplant und ausgeschildert werden.

Warum verzögert sich der Ausbau von Velorouten in Mittelstädten?

Häufig fehlen Personal, finanzielle Mittel oder freie Kapazitäten bei Baufirmen. Auch begrenzter Platz im Straßenraum kann zu Verzögerungen führen.

Welche Rolle spielt die Bürgerbeteiligung bei der Verkehrsplanung?

Die enge Abstimmung mit Bürgerinnen und Bürgern ist entscheidend, um Akzeptanz zu schaffen und lokale Bedürfnisse frühzeitig zu berücksichtigen.

Wie werden Velorouten in Schleswig-Holstein finanziert?

Viele Projekte werden über Landesprogramme gefördert. Dennoch müssen Kommunen oft einen Eigenanteil tragen, der nicht immer finanzierbar ist.

Warum gelten Radprojekte in manchen Gemeinden als freiwillige Leistungen?

In finanziell angespannten Haushalten haben Pflichtaufgaben Vorrang. Radverkehrsprojekte fallen daher teils unter freiwillige Leistungen.

Welche Vorteile bringen Velorouten für den Alltag?

Sie erhöhen die Sicherheit, ermöglichen schnellere und komfortablere Wege und fördern den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad.

Welche Bedeutung haben E-Bikes für die zukünftige Infrastruktur?

E-Bikes ermöglichen längere und schnellere Fahrten. Dadurch steigen die Anforderungen an Breite, Qualität und Vernetzung der Radwege.

Quelle: NDR, WEBRIVAIG