Bauarbeiten am Heide-Hub in Hemmingstedt
Bauarbeiten am Heide-Hub in Hemmingstedt, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Der Norden Deutschlands rückt ins Zentrum der Energiewende. Am Standort Hemmingstedt bei Heide entsteht ein neues Stromdrehkreuz, das Strom für mehr als 10 Millionen Haushalte bündeln soll. Die Einspeisung betrifft regionale Netze und das bundesweite System. Auch Verbindungen nach Dänemark sind eingeplant. Der Bau startet mit umfangreichen Vorarbeiten auf schwierigem Untergrund und ist Teil der nachhaltigen Energieversorgung in Heide.

Inhaltsverzeichnis

Heide-hub in Hemmingstedt

Nahe der Raffinerie Heide in Hemmingstedt im Kreis Dithmarschen beginnen die Erdarbeiten. Die Netzbetreiber TenneT, Amprion und 50Hertz errichten dort das erste Stromdrehkreuz Deutschlands. Das Projekt belegt eine Fläche von 56 Hektar. Das entspricht knapp der Hälfte des Areals der Batteriefabrik bei Heide.

Der Multiterminal-Hub umfasst ein neues Umspannwerk, Konverter und eine Gleichstromschaltanlage. Nach Angaben von TenneT ist diese Anlage das technische Herzstück. Sie leitet den aus der Nordsee kommenden Windstrom direkt in die Gleichstromleitungen an Land. Über einen Konverter gelangt er zusätzlich ins Drehstromnetz.

Nordsee windstrom und Westküstenleitung

Die größte Strommenge liefern zwei Leitungen aus Offshore-Windfeldern der Nordsee. Hinzu kommt der Strom aus der Westküstenleitung. Sie transportiert Energie aus Wind- und Solaranlagen entlang der Nordseeküste. Damit bündelt der Heide-Hub mehrere zentrale Einspeisepunkte an einem Standort. Diese Struktur ergänzt den Windkraftausbau in Schleswig-Holstein.

Ein erheblicher Teil des Stroms verlässt den Standort wieder. Neue Erdkabel liefern Energie nach Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Die Verlegung dauert bis in die 2030er Jahre. Zusätzlich wird die Westküstenleitung verlängert. Sie verläuft künftig bis nach Mehlbek im Kreis Steinburg. Ein weiterer Anteil des Stroms ist für regionale Industriebetriebe vorgesehen.

Baugrund und Logistik im Kreis Dithmarschen

Zum offiziellen Baubeginn entsteht noch kein Gebäude. Zunächst wird der Baugrund stabilisiert. Die Böden im Kreis Dithmarschen gelten als sehr weich. Dr. Benjamin Hühnerbein, leitender Projektdirektor Multihub von TenneT, erklärt wortgleich:

„Das heißt, wir müssen dort entsprechend Sand aufbringen. Und wir müssen für die Anlagengebäude Pfähle in den Boden einbringen über die dann der Lasteintrag in den Boden erfolgt“.

Insgesamt stabilisieren 1,4 Millionen Tonnen Sand und Kies das Baufeld. Der Lkw-Verkehr nimmt deutlich zu. Tausende Kubikmeter Material werden angeliefert. Die Kreisstraße K29 wurde dafür ertüchtigt. Sie zweigt von der B203 ab und führt direkt zur Baustelle. Björn Jörgensen, Leiter des Amtes Heider-Umland, sagt wortgleich:

„Etliche Ausweichbuchten sind dort schon eingerichtet, damit die LKW aneinander vorbeikommen“.

Mit dieser Maßnahme bleibt der Schwerlastverkehr aus Wöhrden heraus.

Leitungsbau und Kampfmittelräumdienst

Vom Heide-Hub gehen neue Trassen Richtung Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen ab. Die Kabel verlaufen großräumig entlang der Raffinerie Heide. Björn Jörgensen rechnet mit Einsätzen des Kampfmittelräumdienstes und sagt wortgleich:

„Ich gehe davon aus, dass im Zuge dieser Verlegungsarbeiten der Kampfmittelräumdienst anrücken muss. Denn in diesem Bereich haben wir immer noch viel mit Blindgängern zu tun“.

Aus diesem Grund fand bereits ein Runder Tisch statt. Beteiligt waren Polizei, Kampfmittelräumdienst und die Gemeindefeuerwehr Hemmingstedt. Ziel ist eine bessere Vorbereitung auf weitere Bombenentschärfungen während des Netzausbaus.

Standortfaktor Northvolt und Investitionen

Der Heide-Hub gilt als wichtiger Standortfaktor. Nach Angaben von Björn Jörgensen war das Projekt auch für Northvolt relevant. Das Unternehmen plant eine Batteriefabrik bei Heide und will diese mit grünem Strom betreiben. Die Nähe zum Stromdrehkreuz spielte nach seinen Informationen eine Rolle, auch wenn die Northvolt-Investition unter Druck steht.

TenneT nennt keine konkreten Kosten für den Heide-Hub. Das Unternehmen verweist auf Investitionen von 65 Milliarden Euro bis 2029 in Deutschland. Dazu zählen weitere Drehkreuze bei Oldenburg in Niedersachsen und Agethorst im Kreis Steinburg sowie zusätzliche Umspannwerke und Leitungssysteme. Benjamin Hühnerbein sagt wortgleich:

„Die Region hat erkannt, dass die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien ein Standortvorteil sein wird“.

Batteriespeicher und weitere Projekte

Nach der Batteriefabrik von Northvolt ist der Heide-Hub das nächste große Bauprojekt im Kreis Dithmarschen. Björn Jörgensen sagt wortgleich:

„Mit dem Hub werden wir noch sichtbarer auf der Energie-Landkarte – für die Region ist das ein Pfund“.

Die Nähe zu grünem Strom erhöht die Attraktivität für energieintensive Betriebe. In Schleswig-Holstein entstehen weitere Projekte der Energiewende. In Schuby im Kreis Schleswig-Flensburg weckt die vorhandene Strominfrastruktur Interesse an einem großen Rechenzentrum. Auch im Raum Heide steigen die Anfragen nach Industrie- und Gewerbeflächen.

Batteriespeicher übernehmen eine zentrale Rolle, weil zeitweise mehr Strom erzeugt wird als eingespeist werden kann. Das betrifft vor allem sonnige und windige Phasen im Frühsommer. Abregelungen von Wind- und Solaranlagen bleiben selbst bei neuen Leitungen notwendig. Dr. Benjamin Hühnerbein sagt wortgleich:

„Die Idee des Multiterminal-Hub ist es, diese Infrastruktur, diese unterschiedlichen Nutzungszwecke miteinander zu bündeln und wirklich zu einem Stromdrehkreuz auszubauen“.

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FAQ

Was ist der Heide-Hub in Hemmingstedt?

Der Heide-Hub ist das erste Stromdrehkreuz Deutschlands, das nahe der Raffinerie Heide in Hemmingstedt im Kreis Dithmarschen entsteht und große Mengen erneuerbaren Stroms bündelt.

Wie viele Haushalte kann der Heide-Hub versorgen?

Über den Heide-Hub soll Strom für mehr als 10 Millionen Haushalte verteilt werden, sowohl regional als auch über das bundesweite Netz.

Welche Unternehmen bauen das Stromdrehkreuz?

Am Bau des Heide-Hub sind die Netzbetreiber TenneT, Amprion und 50Hertz beteiligt.

Woher stammt der Strom, der im Heide-Hub ankommt?

Der größte Teil des Stroms stammt aus Offshore-Windparks in der Nordsee sowie aus der Westküstenleitung, die Wind- und Solarstrom entlang der Nordseeküste liefert.

Warum ist der Baugrund eine besondere Herausforderung?

Die Böden im Kreis Dithmarschen sind sehr weich, weshalb sie mit großen Mengen Sand und Kies stabilisiert und die Gebäude auf Pfählen gegründet werden müssen.

Welche Regionen werden mit Strom aus dem Heide-Hub versorgt?

Neben Schleswig-Holstein fließt der Strom über neue Erdkabel nach Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen.

Welche Rolle spielen Batteriespeicher am Standort?

Batteriespeicher sollen Stromüberschüsse aufnehmen, die entstehen, wenn zeitweise mehr Wind- und Solarstrom erzeugt wird als ins Netz eingespeist werden kann.

Warum ist der Heide-Hub ein Standortfaktor für die Region?

Die direkte Verfügbarkeit großer Mengen grünen Stroms erhöht die Attraktivität des Standorts für Industrie, energieintensive Betriebe und geplante Großprojekte.

Quelle: NDR, PATIZONET