Jugendliche genießen den neuen Skateplatz in Heide
Jugendliche genießen den neuen Skateplatz in Heide, pixabay/Foto illustrativ

Vor drei Jahren geriet der Südermarkt in Heide bundesweit in die Schlagzeilen. Damals sorgten gewaltbereite Jugendliche für schwere Ausschreitungen, bei denen es sogar einen Toten gab. Die Stadt reagierte mit verstärkter Polizeipräsenz, Videoüberwachung und sozialen Projekten. Nun ist ein neues Freizeitangebot entstanden – eine 450 Quadratmeter große Skatebahn am Jugendzentrum. Sie soll Jugendlichen einen sicheren Treffpunkt bieten.

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Eröffnung der neuen Skatebahn am Jugendzentrum

Nach drei Jahren Planungs- und Bauzeit wurde die neue Anlage offiziell eröffnet. Die Stadt investierte 180.000 Euro in den Bau. Direkt nach den Eröffnungsreden stürmten Kinder und Jugendliche den Platz. Die meisten von ihnen sind zwischen sechs und zwölf Jahre alt, der jüngste war drei Jahre alt und kam mit seinem Vater Lars Schwenson, der bei der Planung beteiligt war.

Zu den engagiertesten Unterstützern gehörte die heute 17-jährige Melina Kruse. Sie setzte sich seit 2022 in der Skate-AG für das Projekt ein. Die Gruppe diskutierte zahlreiche Details mit Kommunalpolitikern. Kruse sprach bei der Eröffnung von „Blut, Schweiß und Tränen“, die in das Projekt geflossen seien. Der Platz liegt nur wenige Schritte vom Jugendzentrum entfernt, was eine enge Kooperation ermöglichen soll.

Beteiligung von Politik und Ausschüssen

Lars Thiele-Kensbock, Vorsitzender des Ausschusses für Jugend und Kultur, engagierte sich von Anfang an in der Skate-AG. Er betonte, dass der Skateplatz ein wichtiger Schritt, aber keine vollständige Lösung für die Probleme in Heide sei. Bereits vor Jahren habe es zu wenige Freizeitangebote für Jugendliche gegeben. Er verwies darauf, dass die Einrichtung zusätzlicher Treffpunkte notwendig sei, um langfristige Verbesserungen zu erzielen.

Hintergrund zu den Vorfällen am Südermarkt

Im Jahr 2022 eskalierte die Gewalt am Südermarkt. Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat setzte damals einen Runden Tisch ein. Maßnahmen wie verstärkte Polizeipräsenz und Kameras brachten kurzfristig Ruhe. Dennoch kam es 2023 erneut zu Schlagzeilen, als ein Video einer Mädchengruppe, die ein anderes Mädchen misshandelte, viral ging. 2024 sorgte eine weitere Gruppe von zehn Kindern und Jugendlichen am Bahnhof für Überfälle und Prügeleien. Das Amtsgericht Meldorf verhängte Jugendstrafen, weitere Verfahren laufen noch.

Arbeit der Sozialarbeiter in Heide

Um den Ursachen der Gewalt zu begegnen, wurden Sozialarbeiter in die Stadt geholt. Udo Gerigk vom Verein Kieler Antigewalt- und Sozialtraining führte mit seinem Team fünf Wochen lang Gespräche.

  • 32 Interviews mit Jugendlichen, Anwohnern, Geschäftsinhabern und Polizei
  • Viele Jugendliche wünschten sich einen festen Ansprechpartner
  • Das Jugendzentrum gilt als wenig attraktiv, da dort strenge Regeln herrschen

Gerigk äußerte Zweifel, ob der Skateplatz die Jugendlichen vom Südermarkt anziehen könne. Er wies darauf hin, dass Skaten eine spezielle Szene sei, die oft mit teurer Ausrüstung verbunden ist.

Persönliche Ziele der Beteiligten

Melina Kruse will nun selbst skaten lernen. Ihr Bruder Max soll den Platz nutzen können, ohne bis nach Hamburg fahren zu müssen. Rückblickend auf ihr Engagement erklärte sie, dass sie nun ihr Abitur im Fokus habe und nicht in die Stadtpolitik gehen werde. Franziska Schneidewind von der Skate-AG kündigte an, gemeinsam mit dem Jugendzentrum Leih-Ausrüstung bereitzustellen, um den Einstieg zu erleichtern.

Der neue Skateplatz ist ein wichtiger Schritt für die Freizeitgestaltung in Heide, doch weitere Angebote bleiben notwendig. Die Stadt steht weiterhin vor der Aufgabe, für alle Jugendlichen geeignete Treffpunkte zu schaffen und bestehende Konflikte nachhaltig zu lösen.

Quelle: NDR