Gesunde Ernährung kann Leben verlängern
Gesunde Ernährung kann Leben verlängern, Foto: pixabay

Immer mehr Deutsche sterben früher als andere Westeuropäer. Eine aktuelle Studie zeigt deutliche Unterschiede – auch bei der Ernährung. Facharzt Matthias Riedl sieht darin eine zentrale Ursache für viele Krankheiten.

Inhaltsverzeichnis:

Deutsche Männer und Frauen leben kürzer als in Spanien oder Italien

Laut einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und des Max-Planck-Instituts liegt die durchschnittliche Lebenserwartung deutscher Männer bei 78,8 Jahren. Damit belegen sie Platz 15 unter 16 westeuropäischen Ländern. Nur portugiesische Männer leben kürzer. Deutsche Frauen erreichen im Schnitt 83,5 Jahre und landen damit ebenfalls nur auf Platz 14, knapp vor Dänemark und Großbritannien.

Die Ergebnisse der Studie von Mai 2023 zeigen eine klare Tendenz: In Ländern wie Spanien, Frankreich oder Italien leben Menschen deutlich länger. Gründe dafür sieht der Hamburger Ernährungsmediziner Matthias Riedl nicht nur im Konsum von Alkohol oder Tabak, sondern vor allem in einer fehlerhaften Ernährung.

Matthias Riedl warnt vor zuckerreichem Obst wie Bananen oder Kirschen

Bis zu 70 % der Patienten in Riedls Praxis leiden unter ernährungsbedingten Krankheiten. Ein häufiger Fehler: Der Verzehr von vermeintlich gesundem Obst, etwa Bananen, Kirschen oder Ananas. Diese wurden durch Züchtung stark fruktosehaltig. Riedl zufolge fördert das die Entstehung von Diabetes, Bluthochdruck und anderen Volkskrankheiten.

Auch beliebte Produkte wie Smoothies oder Fruchtsäfte hält er für problematisch. Fruchtsäfte enthalten oft mehr Zucker als Cola. Laut Riedl trifft das selbst sportliche Menschen, bei denen vermehrt Fälle von nicht-alkoholischer Fettleber auftreten. Ursache: Ein übermäßiger Konsum vermeintlich gesunder Getränke.

Fleischersatz und Trend-Diäten sind nicht automatisch gesund

Viele Verbraucher verbinden vegane oder kohlenhydratarme Ernährung mit Gesundheit. Doch laut Riedl ist das ein Trugschluss. Produkte wie das vegane Burger-Patty von Beyond Meat fallen im Nährwerttest durch. Der Grund: stark verarbeitete Inhaltsstoffe und wenig echte Nährstoffe.

Auch Diäten wie die sogenannte Paläo-Ernährung hält er für gefährlich. Kurzfristig helfen sie beim Abnehmen, aber langfristig erhöhen sie das Risiko für Krebs. Deshalb fordert Riedl ein neues Verständnis von gesunder Ernährung – weg von Schlagworten, hin zu echten Nährwerten.

Diese Produkte stehen laut Riedl auf der roten Liste

Der Mediziner listet konkrete Lebensmittel, die der Gesundheit schaden können.

Produktgruppe Problem laut Riedl
Weißmehlprodukte Schneller Blutzuckeranstieg
Rotes Fleisch Erhöhtes Krebsrisiko
Süßigkeiten Zu viel Zucker, Übergewicht
Fertigprodukte Zusatzstoffe, Salzüberschuss
Fruchtsäfte Hoher Fruchtzuckergehalt
Snacks zwischendurch Dauerhafte Entzündungen im Körper

Besonders schädlich sei das ständige Snacken über den Tag verteilt. Riedl erklärt: Wer alle zwei Stunden isst, hält den Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht, was zu einer ständigen Insulinausschüttung und damit zu Übergewicht führen kann.

Diese Krankheiten stehen mit falscher Ernährung in Zusammenhang

Laut Riedl lassen sich viele Krankheitsbilder auf die Ernährung zurückführen oder durch sie verbessern. Dazu gehören unter anderem:

  • Arteriosklerose
  • Rheuma
  • Osteoporose
  • Chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa
  • Nierenschwäche
  • Krebserkrankungen (z. B. Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm, Brust)
  • Multiple Sklerose
  • Migräne
  • Neurodermitis
  • Gicht

Einige dieser Krankheiten können laut Riedl sogar durch richtige Ernährung geheilt werden.

Artgerechte Ernährung als Lösung

Riedl empfiehlt ein Ernährungskonzept, das er „artgerecht“ nennt. Dabei setzt er auf eine naturbelassene, ballaststoffreiche und antientzündliche Kost – inspiriert von der mediterranen Ernährung, wie sie in Südeuropa verbreitet ist. Diese Form der Ernährung ist reich an Olivenöl, Nüssen, Gemüse und Fisch.

Kategorie Empfohlene Lebensmittel Verzehrmenge
Gemüse Zucchini, Brokkoli, Karotten, Paprika mind. 400 g täglich
Eiweiß Bohnen, Linsen, mageres Fleisch, Fisch, Nüsse 1–1,2 g/kg Körpergewicht
Kohlenhydrate Vollkornprodukte, wenig Weißbrot, sparsam Kartoffeln in kleinen Mengen
Fette Olivenöl, Rapsöl, Leinöl, Nüsse reichlich
Obst Beeren, Äpfel, Wassermelone max. 200 g täglich
Getränke Wasser, ungesüßter Tee 0,03 l/kg Körpergewicht
Zucker möglichst vermeiden max. 25–50 g täglich
Alkohol möglichst meiden max. 20 g reiner Alkohol pro Tag

Veränderungen beginnen auf dem Teller

Riedl betont, dass Krankheiten oft durch jahrelange Fehlernährung entstehen. Häufig beginnt das Problem schon im Kindesalter oder sogar im Mutterleib. Symptome zeigen sich meist erst Jahrzehnte später. Deshalb sei es wichtig, frühzeitig auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.

Wer auf viel Gemüse, pflanzliche Eiweiße und gesunde Fette setzt, senkt sein Risiko für chronische Krankheiten deutlich. Auch einfache Maßnahmen wie der Verzicht auf Zuckergetränke oder das Reduzieren von Zwischenmahlzeiten können laut Riedl einen großen Unterschied machen.

Quelle: Focus